Osteopathie

Die Osteopathie ist eine ganzheitliche Medizin, die der Diagnose und Behandlung von Funktionsstörungen des Körpers dient. Diagnose und Therapie erfolgen mit spezifischen osteopathischen Techniken, die mit den Händen ausgeführt werden.

Knochen, Muskeln, Innere Organe, Nervensystem und Gewebe stehen in wechselseitiger Beziehung zueinander. Durch das harmonische Zusammenspiel dieser Strukturen, ermöglicht es dem Körper als Einheit zu funktionieren.

Zweck einer Osteopathiebehandlung ist nicht die Bekämpfung einer Krankheit oder eines Symptoms. Ziel ist es vielmehr, die Funktionsstörungen und Blockaden, die eine Krankheit herbeiführen, begünstigen oder aufrechterhalten, zu lösen und so dem Körper zu helfen, Gesundheit wiederzuerlangen. Somit ist eine Osteopathiebehandlung bei den meisten Krankheiten sinnvoll, da diese oft Ausdruck eines gestörten Zusammenspiels der verschiedenen Systeme des Körpers und der Organe sind.

Da die Osteopathie ganzheitlich ausgerichtet ist, kann man sie nicht aufteilen in eine Osteopathie für Bandscheibenprobleme, eine Osteopathie für die Augen, für die Ohren, etc.

Anwendungsbeispiele finden Sie unter www.osteopatie.de

Es gibt drei Bereiche der Osteopathie:

  • Parietale Osteopathie (Bewegungsapparat)
  • Viscerale Osteopathie ( innere Organe)
  • Craniosacrale Osteopathie ( Schädel, Wirbelsäule, Nervensystem, Becken)

Parietale Osteopathie

Für den Begründer der Osteopathie, Andrew Taylor Still, stand das Skelettsystem in einem größeren Zusammenhang. Er stellte fest, dass jede Erkrankung der Organe auch zu Bewegungseinschränkungen führen kann. Die Wirbelsäule bietet dem Rückenmark und der Schädel dem Gehirn eine schützende Hülle. So haben Verschiebungen und Blockaden des Skelettsystems Einfluss auf die Innervation der Organe, sowie auf die Gefäße, Nerven und die Muskulatur. Bewegungseinschränkungen der oberen Brustwirbelsäule können sich vielfältig auf Herz und Lunge auswirken.

Am Skelettsystem setzen die Sehnen der Muskeln und die Faszien an. Die Faszien umhüllen alle Strukturen des Körpers und bilden so ein inneres Gerüst. Verschiebungen im Bereich der Faszien können die dort verlaufenden Gefäße und Nervenbahnen beeinträchtigen. In Folge kann es zu Durchflussstörungen oder Nervenausstrahlungen in die Arme und Beine kommen.

Durch Verschiebungen des Skelettsystems kann es auch zu statischen Ungleichgewichten kommen, was wiederum zu muskulären Dysbalancen führt. Erhöhte Spannungen in bestimmten Muskeln können zu erhöhten Zugkräften an den Muskeln.- und den Sehnenansätzen am Knochen führen. Dies führt auf Dauer zu Verdichtungen im Knochen und damit u.a. zu Arthrose. Diese Fehlspannungen können im Laufe des Lebens durch Fehlbelastungen, Unfälle, Operationen usw. entstehen.

Das Ziel der osteopathischen Behandlung ist es, das Gleichgewicht im Skelettsystem wieder herzustellen und den Patienten zur Mitwirkung anzuleiten dieses Gleichgewicht zu erhalten.

Viszerale Osteopathie

Die Organe liegen eingebettet in ihr Hüllsystem (Faszien) wie z.B. das Bauchfell oder das Lungenfell. Durch diese Hüllen gehen die Nerven- und Gefäßbahnen, welche die Organe versorgen. Diese Faszien sind nicht starr, sondern werden durch unsere Bewegung, unsere Atmung, unseren Herzschlag usw. bewegt. Diese Mobilisation ermöglicht die gesunde Funktion der Organe. Die Organhüllen sind wiederum mit dem Skelettsystem verbunden und werden auch durch dieses bewegt.

Jeder Atemzug bewegt beim Erwachsenen beispielsweise die Niere 2-3 cm, das sind am Tag 300 Meter. Schränkt sich diese Funktion z.B. durch eine Blockade der Wirbelsäule oder der unteren Rippen ein, so schränkt sich auf Dauer auch die Funktion des Organes ein. Diese funktionellen Einschränkungen sind frühe Anzeichen für eventuelle Störungen.

Auch der Herzbeutel muss in alle Richtungen beweglich sein. Eine stärkere Einschränkung des Brustkorbs schränkt diese Mobilität ein und hat damit Einfluss auf die Versorgung des Herzens und auf die Gefäßsysteme zum und vom Herzen. Ein Lösen aller einschränkenden Strukturen, die mit dem Herzbeutel und seinen Gefäßen sowie seiner Innervation zu tun haben, kann eine wichtige Prophylaxe für diesen Bereich sein und so die Durchblutung Richtung Gehirn unterstützen.

Das Ziel der osteopathischen Behandlung ist es, die vorhandenen Einschränkungen abzubauen, damit eine gute Ver- und Entsorgung der Organe stattfinden kann.

Craniosacrale Osteopathie

Dieser Bereich der Osteopathie befasst sich mit dem craniosacralen Rhythmus, einem feinen Bewegungsrhythmus, der ausgehend vom Schädel über das Kreuzbein als subtile Pulswelle gespürt werden kann. Das Teilgebiet der craniosacralen Osteopathie wurde erst später von Dr. Wiliam Garner Sutherland (1873-1954), einem Schüler von Andrew Tayler Still, in die Osteopathie integriert. Auf der Grundlage des craniosacralen Rhythmus entwickelte er ein Konzept, das die Arbeit mit jedem Gelenk des Körpers, inklusive der Schädelnähte, erlaubt.

Für William G. Sutherland war die Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) eine sehr wichtige vermittelnde und ernährende Flüssigkeit, die für die gesamte Vitalität unseres Nervensystems von entscheidender Bedeutung ist. Ist ihr Fluss gestört, kann es zu Erkrankungen im Nervensystem kommen. Dazu gehören u.a.Entwicklungsstörungen beim Kind, sowie Multiple Sklerose, Demenz oder Parkinson beim Erwachsenen.

Die Arbeit am Gehirn und seiner Hülle stellt einen wesentlichen Bestandteil der Osteopathie dar. Dabei nimmt man Einfluss auf das Hohlraumsystem (Ventrikel) des Gehirns, indem die Hirn.- und Rückenmarksflüssigkeit gebildet und verteilt wird. Das Gehirn schwimmt regelrecht in dieser Flüssigkeit und wird dadurch auch nach außen vor Stößen geschützt. Um die genannten Hohlräume (Ventrikeln) liegen wesentliche Hirnstrukturen, in welchen unsere vitalen Funktionen gesteuert und die lebenswichtigen Grundfunktionen reguliert werden. Über die osteopathische Arbeit am Hohlraumsystem nimmt man einen regulierenden und harmonisierenden Einfluss auf die Funktionen des Mittelhirns, welches auch das Tor zum Bewusstsein darstellt.

Im Laufe der embryonalen Entwicklung werden Anteile des entstehenden Nervengewebes von den wachsenden Eingeweideregionen wie Herz oder Verdauungsorganen mitgenommen. Dieses Nervensystem in den Organen bleibt ein Leben lang in enger Beziehung zum Gehirn. So werden Botenstoffe des Gehirns auch im Darm gebildet und beide Regionen beeinflussen sich gegenseitig.

Auch hier kann die Osteopathie einwirken.

Die Hüllgewebe unseres gesamten Körpers, die Außenhülle, die Hüllen um Muskeln, Gelenke, Organe sowie des Nervensystems, speichern sämtliche Arten von Traumata. Diese Hüllgewebe ziehen alle bis in den Schädelbereich und bilden ein großes Netzwerk für Informationsaustausch. Zusätzlich fließt hier auch der Hauptteil der Lymphflüssigkeit. Damit ist dieses Netzwerk auch für das Immunsystem wichtig.

Die aktuelle Hirnforschung kann mit neuen bildgebenden Verfahren immer mehr die Funktion bestimmter Hirnareale und ihr Zusammenwirken darstellen. So werden Informationen häufig über elektromagnetische Felder vermittelt. In der Psychiatrie verwendet man heute starke Magnete über dem Kopf, um Hirnareale zu aktivieren.

Mit den entsprechenden Kenntnissen und palpatorischer Übung arbeitet hier die craniale Osteopathie um Psyche, Hormone, Stoffwechselfelder sowie Hirnareale zu aktivieren. Über verschiedene Systeme wird die immer bestehende Wechselbeziehung zwischen Hirnarealen und Organen vermittelt. Unsere heutige, immer schneller werdende Zeit, bringt durch Licht, Lärm, neue Substanzen, elektromagnetische Strahlung usw. unser Gehirn immer mehr in eine Überreizung. Die craniale Arbeit bringt das Gehirn zur Ruhe.